Die Schorfheide

Die Schorfheide gehört zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Deutsch-lands und ist seit 1990 Teil des Biosphärenreservates „Schorfheide-Chorin“. Geschlossene Wälder, klare Seen, Sümpfe und Moore sind Merkmal dieser eiszeitlich geformten Bilderbuchlandschaft. Mit ihren 40 000 ha Waldfläche nimmt die Schorfheide etwa ein Drittel des Biosphärenreservates ein, des nach dem Wattenmeer zweitgrößten deutschen Groß-schutzgebietes. Als engere Schorfheide wird das

Waldgebiet nördlich des Werbellinsees zwischen Jagdschloss Hubertusstock und Grimnitzsee bezeichnet. Askaniafürsten, brandenburgische Markgrafen, hohenzollernsche Könige und Kaiser, Nazigrößen und DDR-Politbürokraten errichteten hier ihre Herrensitze und jagten hinter groß eingezäunten Arealen. Das Landbuch Karls IV. nennt bereits 1375 die „Verbellin“ Heide (frühere Bezeichnung), als landesherrlichen Besitz. Behütet und gehegt von den jeweils Herrschenden konnte sich über 700

Jahre bis in die jüngste Vergangenheit eine einzigartige Vielfalt in Flora und Fauna erhalten. Viele bedrohte Tierarten sind hier noch in überlebensfähigen Beständen anzutreffen. Fisch-, Schrei- und Seeadler, Kranich, Milan, Fischotter, Biber, Sumpfschildkröte, um nur einige zu nennen. Waschbär, Dachs, Rotfuchs, Rehwild, Damm-, Schwarz- und Rotwild fühlen sich hier ebenso zu Hause wie das aus dem Mittelmeer eingeführte Mufflon.

    v.li.n.re. Blick zum Werbellin, Bache, Damhirsch, Askanierturm, Schwanenkücken

Zur Urnatur der Schorfheide zählen Braunbären, Auerochsen, Wisente, Wildpferde, Elche, Luchse und Wölfe. An Versuchen, die Vielfalt an Wildgetier in der Schorfheide wieder herzustellen, ja sogar fremde Arten einzuführen, hat es nicht gemangelt. Der erste Vorstoß zur Wiedereinbürgerung von Elchen und Wisenten im Jahre 1681/89 misslang. 1935 errichtete Hermann Göring, Preußischer Ministerpräsident und Reichsjägermeister, südwestlich des Werbellinsees ein Areal von 1310 ha: ein Schaugehege, ein Zuchtgehege und ein Jagdgehege. Kanadisch Bisonkühe wurden mit den wenig noch existierenden

europäischen Wisentbullen gedeckt, um zeugungsfähige Nachkommen der Wisente, dem schwersten Landtier Europas, zu erhalten. Diese Verdrängungszucht unterstützte der Berliner Zoologische Garten. Aber auch Wildpferde, Mufflons und Elche wuchsen zu beachtlichen Populationen heran. Jedoch hat bis auf einige Wildpferde keins der Tiere die Kriegswirren überstanden. Die bis zum Kriegsende herangewachsene Wisentherde von 96 Tieren ließ Göring erschießen. Nicht ein einziger sollte der heranrückenden roten Armee in die Hände fallen. Ein weiteres Freigehege von 25 ha Größe war am Nordostende des Werbellinsees als

„Forschungsstätte Deutsches Wild“ eingerichtet. Dr. Horst Siewert, bekannt durch seine Untersuchungen in der Wildbiologie, war Leiter der Forschungsstätte. Das Gehege war damals das artenreichsten Wildgehege Europas. Nahezu alle in Deutschland frei lebenden Tiere, von der Großtrappe bis zur Gams, waren in den Gehegen zu sehen. Doch auch hier wütete der Krieg und zerstörte dieses einzigartige Projekt. Alle Forschungsergebnisse – Karteien, Filme, Tierstimmenaufnahmen – wurden geplündert oder verbrannt. Mehr Informationen finden sie auch auf unseren schorfheide.info Seiten.